Historischer Rückblick auf 100 Jahre Luise

Rund zwei Jahre lang haben interessierte Schülerinnen und Schüler aus den Jahrgängen 9 und 10 die Entdeckung der Geschichte ihrer unmittelbaren schulischen Lebenswelt in die eigenen Hände genommen.

 

Zeitzeugenbefragung: Erkan und Daniela (10b) im Interview mit Magdalena Potthoff. Die 92jährige aus Oerlinghausen besuchte von 1924 bis 1930 die Bielefelder Luisenschule und hatte interessante Informationen für die jungen Geschichtsforscher.

 

 

                                     1909 –1920 Rektor Lienenklaus

 

Das Jahr 1909 ist für unsere Schule ein Freudenjahr, denn endlich bekommt sie einen neuen Namen und ein neues Kleid.“

 

Es heißt, dass in jedem Ende bereits immer auch ein Anfang liegt. Betrachtet man die Anfänge der Luisenschule im Jahr 1909, mag dies sogar zutreffen, beginnt deren nunmehr 100jährige Geschichte doch mit einem Abschied. Bereits am Morgen des 22. Oktober versammelten sich Lehrkräfte und Schülerinnen der I Bürger-Mädchenschule im „Rosenhof“ an der Kreuzstraße. Es sollte das letzte Mal gewesen sein und gleichzeitig ein würdiger Abschied von einer langjährigen Bielefelder Schultradition. Seit 1834 hatte die Stadt Bielefeld das Gebäude für Schulzwecke genutzt. Zum Schluss war der Platzmangel jedoch auch für die Stadtobersten nicht mehr hinnehmbar. Die Bürger-Mädchenschule, die bereits seit 1904 nach den Plänen der Mittelschule unterrichtete, sollte demnach für 292.500 Mark einen Neubau an der Paulusstraße bekommen. Im Juli 1908 wurde mit dem Bau begonnen und nach nur 15 Monaten Bauzeit war dieser bezugsfertig.

Mit jenem feierlichen Umzug von der vertrauten Schulumgebung ins neue Schulgebäude galt es nun Abschied zu nehmen. „Was nehmen wir mit? Was lassen wir zurück?“, regte Lehrer Niedeck seine Schützlinge an diesem Morgen zum Nachdenken an. Eltern, Freunde und Gönner der Mädchenschule hatten sich zu diesem Zeitpunkt bereits in der Turnhalle des neuen Gebäudes, die wie heute auch damals schon als Aula diente, eingefunden, um den Festzug aus Schülerinnen und Lehrern zu empfangen. Dort angekommen wandte sich Rektor Lienenklaus dem Publikum mit einer Ansprache zu. Erst kurz zuvor hatte Bürgermeister Dr. Stapenhorst den Anwesenden mitgeteilt, dass sich die neue Mittelschule in Anlehnung an die Gemahlin des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III nun

offiziell „Luisenschule“ nennen darf. „Wir dürfen uns forthin Luisenschule nennen, nach der einstigen unvergesslichen Königin, die in schwerer Zeit nicht nur ihren gebeugten Gemahl aufgerichtet, sondern das ganze Volk zu großen Taten, zum Freiheitskampf begeistert hat. Dieser Name soll uns fortan eine große Mahnung sein, unser edles Fürstenhaus, unser teures Vaterland mit herzlicher Liebe zu umfassen.“, so der stolze Schulleiter: „Heute nun haben wir unseren Aschenbrödelkittel ausgezogen (…) und ich habe mit Freuden vorhin bemerkt, wie die Augen der Kinder leuchteten und wie ein leises „Ah!“ dem Munde entfuhr.“ Auf einem Festakt fünfzig Jahre später erinnerte sich die ehemalige Schülerin Wilhelmine Koch an den Moment, als das Umzugsgefolge das neue Schulgebäude an der Paulusstraße betrat: „Wie staunten wir über die hellen, freundlichen Klassenzimmer und über die damals modernen Einrichtungen.


Lehrerzimmer: „Insbesondere wollen wir darauf bedacht sein, wie es einem rechten Lehrer vor allem geziemt, wahre Gottesfurcht, Vaterlandsliebe und Königstreue in den Herzen der Kinder zu hegen und zu pflegen.“

(aus der Festrede von Schulleiter Heinrich Lienenklaus)

 

Von den 24 neu geschaffenen Klassenzimmern an der Paulusstraße nutzte die Luisenschule anfänglich lediglich 18 Räume, in den übrigen sechs Zimmern waren Klassen der Knabenmittelschule untergebracht. Bis zur Schwelle zum Ersten Weltkrieg erfuhr die Luisenschule, wie übrigens auch alle anderen Mittelschulen in Deutschland, einen immensen Aufschwung. Ihre Bedeutung für das kaufmännische und gewerbetreibende Bürgertum wuchs stetig, sodass die Schulform den Bedürfnissen der neuen Arbeitswelt angepasst werden musste. Neben dem allgemeinen Lehrplan mit Fächern wie Deutsch, Rechnen, Naturbeschreibung, Naturlehre, Geographie, Geschichte, Zeichnen, Gesang, Turnen und einer Fremdsprache wurden vier weitere Fächer eingeführt, die sich deutlich mehr an der Berufswahl der Schüler orientierten. Mit der Einführung der vierjährigen Grundschule in der Weimarer Republik erlebte die Mittelschule als Schulform erneut eine weitere grundlegende strukturelle Veränderung, welche die Abschaffung der Vorklassen zur Folge hatte.

 

 


Blick auf die Luisenschule

                                     1920 – 1937 Rektor Dellbrügge

 

 

An der Luisenschule übernahm im Jahr 1920 Herr Dellbrügge die Leitung der Schule. Mit ihrem beruflichen Schwerpunkt im Bereich Hauswirtschaft erarbeitete sich die Luisenschule im Laufe der Zeit einen hervorragenden Ruf in Bielefeld. Das begehrte Abschlusszeugnis der Absolventinnen galt als Beleg für eine ausgezeichnete berufliche Vorbildung in den „Künsten des Haushalts“ und gleichzeitig als Garantie auf einen Arbeitsplatz, zumeist lag dieser im Haushalt besonders feiner und wohlhabender Leute.


Rektor Dellbrügge bei der Arbeit

 


Kollegiumsfoto: In der Mitte mit Schnauzbart Schulleiter Dellbrügge, der die Luisenschule bis 1937 leitete. Ebenfalls auf dem Bild zu sehen ist die spätere Schulleiterin Holzapfel.

 

                                              

 

                                1937 – 1946 Rektor Podufal

 

„Der Kükenstall und die schöne BTG-Turnhalle waren nur noch Ruinen“

 

Am 21. Juni 1931 wehte zum ersten Mal die Hakenkreuzfahne seiner Zeit als „Zeichen der deutschen Freiheit“ von der Bielefelder Sparrenburg. Rund zwei Jahre später, kurz nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler, gehörte das Hakenkreuz als offizielles Symbol des NS-Staates zum alltäglichen Bild der Stadt. Zu diesem Zeitpunkt hatte es wohl keiner für möglich gehalten, dass zwölf Jahre und wenige Monate später die weiße Fahne als Zeichen der Kapitulation auf der Sparrenburg wehen würde.

Hunger, Elend, Flüchtlingsnot, Erschöpfung und Trostlosigkeit standen schließlich am Ende des Nationalsozialismus. Der Zweite Weltkrieg hatte seine Spuren auch in Bielefeld unübersehbar hinterlassen.

Fliegeralarm und das Aufsuchen der Luftschutzkeller gehörten bereits seit Monaten zum alltäglichen Leben. Der regelmäßige Schulbetrieb an der Luisenschule war längst nicht mehr gewährleistet und wurde schließlich ganz eingestellt. Seit 1943 organisierte die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) die so genannten Kinderlandverschickungen (KLV). Als Schutzmaßnahme vor feindlichen Luftangriffen gedacht, wurden auch zahlreiche Luisenschülerinnen samt verbliebener Lehrkräfte auf ungewisse Zeit nach Österreich geschickt. In den Alpen bei St. Gilgen und Kaprun wurden die Mädchen über Monate abseits der Heimatfront im Sinne der NSDAP weiter beschult.


Leibesertüchtigung: Sport war auch für die Mädchen der Luisenschule wichtiger Bestandteil der Stundentafel.

 

Am 30. September 1944 flogen alliierte Luftverbände den bislang größten Angriff auf die Stadt Bielefeld. Fast die Hälfte der Einwohner Bielefelds war inzwischen entweder evakuiert worden oder freiwillig in das nahe oder ferne Umland ausgewichen. Die Luisenschule sollte den nun folgenden Bombenregen nicht unbeschadet überstehen. Schulleiter Podufal dokumentierte die Geschehnisse an diesem Tag in der Schulchronik: „Schicksalstag der Luisenschule. Ein sonniger, friedlicher Tag. Um 13 Uhr brachten Schülerinnen dem Schwiegervater des Hausmeisters, Herrn Hansmeyer, zum 80. Geburtstag auf dem Hof ein Ständchen. Um 14 Uhr gab es Alarm: Anflug großer feindlicher Kampfverbände auf Bielefeld. Wenige Minuten später war Bielefeld eine brennende Stadt. Es war nur unter großen Schwierigkeiten möglich, durch den Qualm und Feuersturm in die Stadt zu gelangen. In der Schule waren um 15 Uhr Dr. Grote, der Hausmeister, Herr Bansmann und zwei Mädels, die zusammen mit Dr. Grote Luftschutzwache hatten (…) Stabbrandbomben lösten im Obergeschoss Feuer aus. Auch die Wasserleitung war ausgefallen. Das Dach wurde durch das Feuer völlig vernichtet. Ein Übergreifen auf das Nebengebäude konnte mit Hilfe der Nachbarn verhindert werden.“ Es sollte nicht der letzte Angriff gewesen sein. Am 2. November 1944 bekam die Luisenschule erneut einen Bombentreffer ab. Das Treppenhaus wurde dabei völlig zerstört. Nahezu alle Fenster und Türen des Gebäudes konnten dem Druck der Explosion nicht standhalten.

Direkt nach dem Krieg begann der Wiederaufbau des Kükenstalls.

Bis zur Sanierung des Hauptgebäudes sollten jedoch noch Jahre vergehen.

 

Die ehemalige Luisenschülerin Gisela Schütze kehrte im Februar 1945 nach Bielefeld zurück: „Der Kükenstall und die schöne BTG- Turnhalle waren bei den Angriffen völlig zerstört worden und nur noch Ruinen. Als im Mai 45 der Krieg endgültig zu Ende war, konnte man an einen Schulneubeginn überhaupt noch nicht denken! Ich blieb deshalb auf dem Lande und konnte mich bei meinen netten Landwirtsleuten ein wenig nützlich machen.“

Am 23. November konnte der Unterricht auch für die Luisenschülerinnen wieder aufgenommen werden.

 


Kükenstall: Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg konnte hier wieder unterrichtet werden.

 

Durch die Raumknappheit, fehlende Unterrichtsmaterialien sowie der Beginn der Entnazifizierungs­maßnahmen der Besatzungsmächte konnte der Unterricht zunächst nur eingeschränkt erfolgen. Für viele Luisenschülerinnen fand er in der Falkschule statt, die den Krieg unbeschadet überstanden hatte. Fächer wie Erdkunde und Geschichte waren zunächst verboten. An der Paulusstraße begann bereits 1946 der Wiederaufbau des „Kückenstalls“ und schon kurz danach zogen die beiden ersten Klassen wieder in die vertraute Schulumgebung.

 

 

                                 1948 – 1964 Rektorin Holzapfel

 

Frau Holzapfel wurde 1948 neue Schulleiterin der Luisenschule, die bereits seit 1931 an der Luise Englisch, Deutsch und Religion lehrte. Zuvor hatte Herr Hartleif die Schule zwei Jahre lang geführt. Bis heute ist sie den ehemaligen Absolventinnen als betont strenge, aber fähige Leiterin in Erinnerung geblieben, die maßgeblichen Anteil am guten Ruf der Luisenschule hatte. „Jede aus unserer Klasse konnte bei Schulende entweder aus mehreren Lehrstellen wählen oder eine weiterführende Schule besuchen. Probleme mit der Arbeitslosigkeit sind uns auch danach erspart geblieben.“, berichten die ehemaligen Schülerinnen Christa Bublitz und Ingeborg Ulonska noch heute stolz.

In ihrer Amtszeit wurde schließlich auch das Hauptgebäude saniert, allerdings ohne das Dach mit seinen zierenden Zinnen und Gauben.

 

 

Neuer Glanz: Der abgebrannte Dachstuhl wurde während der Sanierung komplett abgetragen und durch eine modernere, flache Dachkonstruktion ersetzt.

                                             

Unter der Leitung von Frau Holzapfel feierten die Lehrkräfte und Schülerinnen mit Theater- und Gesangsdarbietungen im April 1959 dann auch den 50. Geburtstag der Luise. An der Schule herrschte unterdessen Schichtbetrieb, denn die Luisenschülerinnen teilten sich ihr Schulgebäude mit Schülern und Lehrkräften der Gertrud-Bäumer-Schule, die übergangsweise in der Paulusstraße untergebracht war.

In ihrer Festansprache unterstrich Holzapfel stolz die musische Erziehung an der Luisenschule und verwies vor Oberbürgermeister Ladebeck darauf, dass gerade der Luisenschule innerhalb des Realschulwesens in Bielefeld in diesen Zeiten eine besondere Bedeutung zukomme: „Gerade Frauen sind dazu bestimmt, im Leben durch ihr stärker ausgebildetes Gefühl Brücken zu schlagen von Mensch zu Mensch. Die hiesige Wirtschaft benötigt Menschen, die von der Schule Einfühlungsvermögen, Gewandtheit, Verantwortungsbereitschaft und die Fähigkeit zum Mitdenken mitbringen.

 


Kunstunterricht bei Lehrer Kurt Seifert.

 

                              1964 – 1974 Rektorin Kirschning

 

Im Jahr 1964 übernahm Frau Kirschnig die Leitung der Luisenschule. Zu diesem Zeitpunkt wurde nach dem Hamburger Abkommen der Begriff „Realschule“ erstmalig einheitlich für alle Länder der Bundesrepublik festgelegt. Die Realschule umfasst demnach alle mittleren Schularten, die über die Bildung der Hauptschule hinausgehen. Ziel und Aufgabe der Realschule war es nach wie vor, eine lebensnahe Bildung ohne spezielle Berufsvorbereitung zu bieten. Mit wachsendem Wohlstand fand diese Bildungsvorstellung immer mehr Zuspruch in Deutschland. Das Realschulwesen im ganzen Land boomte. Allein in NRW verdoppelten sich die Schülerzahlen innerhalb eines Jahrzehnts. Auch die Schülerinnen der Luisenschule sollten weiterhin für den Eintritt in die technisierte Arbeitswelt gerüstet sein. „Leistung ist nicht möglich ohne Gründlichkeit, Bildung ist nicht denkbar ohne Konzentration. Ganz ohne Pauken und geduldiges Lernen geht nun einmal nicht!“, beschrieb Kirschning einst das Lernen an der Luisenschule. Gemeinsam mit Eltern und Kirche wolle sie an der Luisenschule vor allem der seelischen Verödung und geistigen Verelendung durch materialistisch bestimmte Auffassungen entgegenwirken und Mitarbeit fördern.

Die steigenden Schülerzahlen führten an der Luise in den 60ern zu massiven Platzmangel. Aufnahmen der Presse im Jahr 1966, die einen Kunstunterricht unter nackten Dachziegeln auf dem Dachboden und den allgemeinen schlechten Zustand des Schulgebäudes zeigten, sorgten für Aufsehen und setzten die Stadtobersten unter Druck. Im Haushalt der Stadt wurden schließlich 93.000 DM für einen Modernisierungsumbau der Lehrküche bereitgestellt. Am 8.3.1967 wurde diese offiziell eingeweiht.

 

 

 

                              1974 – 1993 Rektorin Riesnert

 

Von der Mädchenschule zur modernen Realschule für Jungen und Mädchen

 

Mit dem Schuljahr 1976 begann für die Luisenschule eine neue Zeitrechnung. Unter Schulleiterin Riesnert wurden die ersten Jungen an der Luisenschule aufgenommen. Die Zeiten der Mädchenschule gehörten der Vergangenheit an.

Mit der Machtverschiebung im Bund und den Ländern zugunsten der SPD folgten aus schulpolitischer Sicht jedoch unangenehmere Zeiten für die Luisenschule. Die Regierung machte in der 1970er Jahren die Gesamtschule zum schulreformerischen Kernstück ihrer Politik. Höhepunkt des damit entbrannten ideologischen Schulkonflikts war 1978 der Versuch der Landesregierung in Nordrhein-Westfalen, die Gesamtschule flächendeckend einzuführen. Das dafür nötige neue Schulgesetz wurde schließlich per Volksbegehren gestoppt. Dennoch hinterließ der reformpädagogische Grundsatzstreit auch in Bielefeld eine bunte Schullandschaft aus Gesamtschulen und den klassischen Schulen des dreigliedrigen Schulsystems. Neben der neuen Konkurrenz stellte vor allem die gesellschaftliche Entwicklung der Bielefelder Stadtmitte für die Luisenschule die größte pädagogische Herausforderung der jüngsten Vergangenheit dar. Bielefeld entwickelte sich zunehmend auch zu einem multikulturellen Oberzentrum. Für die damit verbundenen unterschiedlichen Lern- und Sprachvoraussetzungen galt es neue Wege des Lernens zu finden.

 

                                          1993 – 2001 Rektor Marder

 

1993 übernahm Herr Marder die Schulleitung an der Luisenschule. In dieser Zeit wurde immer deutlicher, dass am und im Schulgebäude dringend modernisiert werden musste. Angesichts begrenzter kommunaler Haushaltsressourcen war dies jedoch kein leichtes Unterfangen. Eine Zeit der Unsicherheit begann für das Kollegium der Luisenschule, zwischenzeitlich erschien sogar eine Aufgabe des Schulstandortes an der Paulusstraße möglich. Zwischenzeitlich blieb die Stelle des Schulleiters sogar vakant. Das Amt wurde von Herrn Schukies (2001) und Herrn Miesler (2002) kommissarisch geführt.

 

                                           2002 - dato Rektor Pachur

 

Als im August 2002 Herr Pachur das Amt des Schulleiters übernahm, kehrte mit ihm neuer Schwung in die Paulusstraße ein. „Es herrschte plötzlich eine deutlich spürbare Aufbruchstimmung.“, erinnert sich Lehrer Christoph Müer. Die Sanierung des Gebäudes war mittlerweile beschlossene Sache und so hatte die Neugestaltung des Schulgeländes oberste Priorität. Die Bagger konnten anrücken.


Abriss: Die Luisenschule des 21.Jahrhunderts muss ohne den Kükenstall auskommen.

Doch wie bereits sein Amtskollege Lienenklaus vor rund 100 Jahren in seiner Einweihungsrede mahnend feststellte: „nicht das Gebäude ist die Hauptsache, sondern der innere Betrieb. Die Arbeit an den anvertrauten Kindern, Unterricht und Erziehung!“, so war sich auch Pachur von Beginn an bewusst, dass ein erfolgreiches Bestehen der Luisenschule mit Blick auf die schulischen Bildungsanforderungen des 21. Jahrhunderts nur über neue Unterrichtskonzepte und Arbeitsstrukturen erfolgen konnte.

Wer neue Heilmittel scheut, der muss alte Übel fürchten“, betonte er bei seiner Amtseinführung und forderte von seinem neuen Kollegium die Bereitschaft ein, eigenverantwortlich, kreativ und konsequent neue Wege des Lernens zu gehen. Neben einer Wiederbelebung der traditionellen Sekundärtugenden im erzieherischen Bereich sollten vor allem individuelle Förderung, Berufswahlorientierung und Teamarbeit die künftigen Säulen des Schulbetriebes sein.

 


Symbolcharakter: Die Luisenschule soll künftig nicht nur architektonisch Tradition und Fortschritt verbinden.

 

Nach langer Zeit des Planens und Schaffens wurde im Juni 2004 der moderne Anbau feierlich eingeweiht. Die Luisenschule verfügt seitdem über neue moderne naturwissenschaftliche und multifunktionelle Räume. Auch die inhaltliche Arbeit des Lehrerkollegiums sollte langsam Früchte tragen: Neben den kontinuierlich steigenden Anmeldezahlen machen vor allem das gute Abschneiden der Luisenschüler bei den Zentralprüfungen sowie zahlreiche Auszeichnungen der Öffentlichkeit transparent, dass aus der altehrwürdigen Mädchenschule ein modernes Haus des Lernens geworden ist. So bekam die Luisenschule 2007 als erste Schule in Bielefeld und als zweite Realschule in NRW das Gütesiegel für individuelle Förderung verliehen. Mit diesem Siegel zeichnet das Schulministerium besonders gute Förderkonzepte für Schülerinnen und Schüler aus.

 


Vorfreude: Schulleiter Sven Pachur mit den Schülersprechern Nicole Wiertel und Mohamed El Hamdaoui und Geschichtslehrer Maik Paulini freuen sich auf das Schuljubiläum.

Bei dem Kükenstall-Schild handelt es sich um den letzten Überrest des altehrwürdigen "Kükenstalls", dieser Gebäudeteil musste für den modernen Anbau abgerissen werden. Mit der Glocke wurde damals zur Pause geläutet.

 

Pünktlich zum 100jährigen Geburtstag zeigt sich die Luisenschule mit ihren derzeit rund 500 Schülerinnen und Schülern für die Zukunft gerüstet. Als moderne Bildungseinrichtung identifiziert sie sich wieder mit ihrer langjährigen Tradition als Realschule im Herzen Bielefelds. Die Entwicklungen der jüngsten Vergangenheit dokumentieren, dass die „Luise“ wieder ein hohes Maß an Ansehen und Vertrauen bei Eltern, Kindern und außerschulischen Partnern genießt. Und – in guter alter Tradition – kann die Luisenschule heute, genau wie in vergangenen Tagen, von sich behaupten: Jede Schülerin und jeder Schüler erhält einen Platz an einer weiterführenden Schule oder bekommt eine Lehrstelle.

 

Stellt sich an dieser Stelle abschließend die Frage nach der zukünftigen Entwicklung der Luisenschule? Wie vor 100 Jahren ist der aktuelle Schulbetrieb durch einen offensichtlichen Platzmangel im Schulgebäude gekennzeichnet. Immer wieder sind deshalb auch kreative Lösungen im Unterricht gefragt. Darüber hinaus haben sich Lehrkräfte und Eltern im Jubiläumsjahr dafür ausgesprochen, dass die Luisenschule eine Ganztagschule werden soll. Die Stadt Bielefeld und die Bezirksregierung haben diesem Votum vor kurzem offiziell zugestimmt. Hinter den Kulissen laufen bereits die Planungen für eine mögliche Erweiterung der Schule. Man darf gespannt sein!

 

                                                                                                                      Text: Maik Paulini

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